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Bewertungsreserven: Muss man bei bestehenden Rentenversicherungen handeln?

Kunden werden aktuell noch an den Bewertungsreserven beteiligt

Der Gesetzgeber hat im Jahr 2008 beschlossen, dass die Kunden von Lebensversicherungen zu 50% an den Bewertungsreserven im Falle einer vorzeitigen Kündigung oder bei Ablauf beteiligt werden müssen. Das gilt natürlich nicht nur für die Lebensversicherung, sondern auch für die private Rentenversicherung. Denn Sie ist ein Produkt der Lebensversicherer und unterliegt somit denselben Anlagerichtlinien.

Bewertungsreserven private RentenversicherungDie Beteiligung an den Bewertungsreserven bei einer Kündigung und bei Ablauf des Vertrags hört sich erst mal gut an. Doch was steckt eigentlich dahinter? Damals wurde die Regelung vor allem deshalb eingeführt, weil die Versicherten keinerlei Beteiligung an den hohen Aktienkursen erhielten.

Diese werden nämlich zum Kaufpreis in der Bilanz eines Lebens- und Rentenversicherers eingebucht und von den Wertsteigerungen profitierte der Kunde nicht wirklich. Aktuell wird heftig darüber diskutiert, dass die Bundesregierung diese Reglung wieder zurücknehmen soll. Allerdings nicht für Aktienanlagen, sondern für die festverzinslichen Wertpapiere, die ein Lebensversicherer zu aktuell 90% in seinem Portfolio hält.

Wie setzt sich die Verzinsung einer Rentenversicherung zusammen

Um sich über dieses Thema der Beteiligung an den Bewertungsreserven ein Urteil bilden zu können, muss man erst einmal verstehen, wie sich die jährliche Verzinsung einer privaten Rentenversicherung zusammensetzt und wie ein Versicherer wirtschaftet.

Das Geld, welches von Kunden in eine private Rentenversicherung investiert wird, wird vom Versicherer am Kapitalmarkt angelegt, um für diese einen Mehrwert in Form einer Verzinsung zu generieren. Die jährliche Verzinsung setzt sich aus einem Garantiezins (auch Rechnungszins genannt), der aktuell im Jahr 2014 noch bei 1,75% liegt und einer laufenden Zinsüberschussbeteiligung zusammen.

Letztere wird jährlich neu festgelegt und den Verträgen der privaten Rentenversicherung zusätzlich gutgeschrieben. Laut Assekurata hat die private Rentenversicherung im Jahr 2014 eine laufende Überschussbeteiligung von durchschnittlich 3,61% (Rechnungszins + Zinsüberschussbeteiligung) erwirtschaftet. Eine einmal zugeteilte jährliche Überschussbeteiligung kann nicht mehr zurückgenommen werden.

Private Rentenversicherungen legen das Geld Ihrer Kunden sicher an

Das bringt die Versicherer in die schwierige Lage, das Geld Ihrer Kunden hauptsächlich in sichere Investments zu investieren. Das bedeutet in der Praxis, dass der Motor einer privaten Rentenversicherung hauptsächlich aus festverzinslichen Wertpapieren besteht. Dazu zählen in Deutschland die beliebten Pfandbriefe, aber auch Staats- und Unternehmensanleihen. Diese werden von den Lebensversicherern erworben, um eine sichere Verzinsung zu gewährleisten.

Neben dem Garantiezins und der Zinsüberschussbeteiligung werden die Kunden zum Ablauf ihrer Verträge noch mit zwei weiteren Gutschriften belohnt. Das sind zum einen der sogenannte Schlussüberschuss und zum anderen die Bewertungsreserven. Diese beiden Positionen werden dem Vertrag pro Jahr nicht fest gutgeschrieben, sondern bildlich gesprochen auf einem extra Konto vermerkt.

Erst bei der Auszahlung erhält man dann die Beteiligung an den Schlussüberschüssen und den Bewertungsreserven. Die Höhe ist also niemals garantiert und schwankt auch laufend. Sie ist stark abhängig von den Kapitalmärkten. Derzeit werden circa 0,5% Verzinsung pro Jahr zusätzlich an Schlussüberschüssen gewährt und etwa 0,1% – 0,2% an Bewertungsreserven. Und nun zum Dilemma der Lebensversicherer. Diese müssen wie bereits geschrieben seit 2008 ihre Kunden bei Kündigung und Ablauf an den Bewertungsreserven beteiligen.

Wir haben ja bereits festgestellt, dass die private Rentenversicherung das Kapital ihrer Kunden hautsächlich in festverzinsliche Wertpapiere investiert und weniger in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien.

Durch die gefallen Zinsen wurden die Bewertungsreserven größer

Der Wert dieser festverzinslichen Wertpapiere ist in den letzten Jahren aufgrund der gefallenen Zinsen stark angestiegen. Wenn ein Versicherer einmal ein Papier zu 100 Euro gekauft hat und dafür eine Verzinsung von 5% erhält, steigt der Kurs dieses Papiers an, wenn am Markt die Zinsen allgemein fallen. Warum ist da so? Ganz einfach. Weil dieses Wertpapier mit 5% Verzinsung attraktiver ist als beispielsweise eines mit 3% Verzinsung. Der höhere Wert dieses Papiers ist die sogenannte Bewertungsreserve, an welchen die Kunden seit dem Jahr 2008 beteiligt werden müssen.

Nun ist der Versicherer gezwungen ein gut verzinstes Papier am Kapitalmarkt zu veräußern und mit 50% der Einnahmen daraus die Kunden zu befriedigen. Mit dem restlichen Kapital muss er wieder an den Kapitalmarkt und sich mit derzeit schlechter verzinsten Papieren eindecken, was letztendlich den noch verbleibenden Versicherten in einer privaten Rentenversicherung schaden kann.

Dazu muss man wissen, dass eine private Rentenversicherung ihre fest verzinsten Papiere in der Regel bis zum Schluss hält. Das hat zur Folge um bei unserem Beispiel zu bleiben, dass die Versicherung wieder 100 Euro pro Anteil zurück erhält. Das heißt, die zwischenzeitlichen Wertsteigrungen sind nur auf dem Papier für die Versicherten vorhanden und keine wahren Werte.
Anders als bei Aktien und Immobilienanlagen.

Hier fallen die Werte nur, wenn die Märkt dafür schlechter laufen. Aber man erhält in der Regel nicht wieder seinen Einstiegspreis, wenn man die Anlage wieder verkauft. Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (kurz GDV) profitieren aktuell nur 5% der Kunden von der Beteiligung an den Bewertungsreserven und 95% der verbleibenden Kunden investiert dadurch im Laufe der Zeit in schlechter verzinste Wertpapiere.

Soll ich meine private Rentenversicherung jetzt kündigen?

Jetzt Fragen sich aktuell viele, ob sie noch schnell ihre private Rentenversicherung kündigen sollen, um noch von der Beteiligung an den Bewertungsreserven noch zu profitieren. Dazu kann man nur sagen, dass man sich vor einer Kündigung bei seinem Versicherer erkundigen sollte, wie hoch die Auszahlung aktuell und in der Zukunft aussieht.

Denn bei einer Kündigung wird man zwar an den Bewertungsreserven beteiligt, nicht aber an den Schlussüberschüssen. Und die machen derzeit, wie oben bereits in diesem Artikel erwähnt, einen größeren Anteil an der Verzinsung aus als die Bewertungsreserven. Eine pauschale Antwort kann man wie so oft nicht geben. Es kommt also auf den Einzelfall an. Man sollte genau nachrechnen.

Zudem wurde zum jetzigen Zeitpunkt nur diskutiert und spekuliert. Eine definitive Abschaffung der Beteiligung an den Bewertungsreserven der Lebensversicherer wurde noch nicht beschlossen. Zumal wir gesehen haben, dass man als Kunde mit hoher Wahrscheinlichkeit zukünftig davon profitiert, wenn man nicht mehr in der Form an den Bewertungsreserven von festverzinslichen Wertpapieren beteiligt wird.

Verbraucherschützer fordern aktuell auch die Bereitschaft der Versicherer sich andere Systematiken zu überlegen, als die reine Abschaffung der Reserven. Damit könnten die Kunden insgesamt besser fahren als heute. Man wird sehen, wie die Diskussion weiter geht.

Im Vergleich sollten die Bilanzkennzahlen genau geprüft werden

Vor dem Abschluss einer privaten Rentenversicherung sollte man sich nicht nur die garantierte Rente ansehen, sondern auch wichtige Bilanzkennzahlen, um daraus Rückschlüsse zu ziehen, wie der Erfolg der privaten Rentenversicherung zukünftig aussieht.

Fazit

Man sollte seine private Rentenversicherung also nicht einfach so kündigen, sondern vorher genau rechnen bevor man handelt. Intessant ist eine Prüfung der bestehenden Ansprüche vor allem für Menschen deren private Rentenversicherung in den nächsten 3 – 5 Jahren fällig wird.

von Björn Maier

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